Donnerstag, den 12. Februar 2004

14:00 — 536 S. Forest Ave. #907

Auf diesem einfachen Schreibtisch ist so viel passiert.  Als ich an diesem Tisch saß, habe ich neue Konzepte gemeistert, neue Ideen entwickelt und natürlich viele Hausaufgaben gefertigt.  Wenn man noch weiter auf dieses Bild schaute, kann man eigentlich Zeichen von einer bedauerlichen Geschichte erkennen.  In den nächsten Sätzen erzähle ich diese Geschichte, einher mit dem, was ich jetzt um 14.00 Uhr mache und denke.

Dieses Semester bin ich total überwältigt.  Meine unordentlichen Regale und Tische sind deutliche Zeichen davon, besonders weil ich normalerweise ganz organisiert bin.  Zwei Kurse, die Chemie-Reaktionstechnik und das Verfahrenstechniklabor, sind unglaublich zeitberaubend.  Die Arbeit nach diesen Klassen ist mehr als eine Vollzeitstellung.

Vor ein paar Minuten saß ich auf meinem angenehmen Bürostuhl, und ich sah das höchste Regal an.  Da liegt mein sporadisch funktionierender Drucker ? eine Quelle von viel Ärger dieses Jahr.  Daneben liegt meine kleine Sammlung von DVDs, für die ich kaum Zeit habe.  Da steht auch meiner „industriestarker” Locher, den ich zu der Organisierung meiner Ordner benutze.  Dieses Semester bin ich besonders mit einer Mischung von Ordnern, Chemiebüchern, Geschichtsbüchern und Deutschbüchern überhäuft.  Noch weiter ist mein Kopf mit Einzelheiten und Aufgaben total überfordert. 

Ich mache im Moment Hausaufgaben, und ich höre jetzt deutsche Musik an (ein Gemisch von Herbert Grönemeyer, den Prinzen, den Wise Guys und den Toten Hosen).  Mindestens finde ich Zeit, noch ein bißchen Musik anzuhören.  Da die Musik wirklich mein einziges Mittel zur Entspannung ist, finde ich sie nötig.

Daraufhin werfe ich meinen Blick auf meinen Computer.  Im Hintergrund gibt es ein Bild von dem Münster in Freiburg.  Sofort erinnere ich mich an meine Reise letzten Sommer nach Deutschland.  Ich bin nach Deutschland geflogen, um ein Praktikum bei Bayer CropScience AG in Monheim durchzuführen.  Meine ersten Erinnerungen an die Reise sind schön.  Die Zugfahrten durch das Rheintal im Westen und die Berge im Süden gefielen mir sehr.  An den Wochenenden hatte ich Zeit zu reisen, und ich bin nach Freiburg, Heidelberg, Göttingen und Berlin gefahren.  Ich erinnere mich an die Sehenswürdigkeiten und die Naturschönheiten.  Ich denke an die verschiedene Kultur und die Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse zu verbessern.

Plötzlich fallen mir die grünen Kanister auf meinem Schreibtisch auf.  In diesen Behältern gibt es flexiblen Kitt, mit dem ich tägliche Übungen machen muß, zur Behandlung einer Verletzung, die ich an der Arbeitsstelle in Deutschland erlitten habe.  Einmal im Labor ist ein Glaskolben in meiner linken Hand explodiert.  Die Glassplitter haben durch eine Sehne in meiner Hand geschnitten, und ich habe Glaswunden überall erhalten.  Leider erinnere ich mich noch an die 12 Tage, die ich im Klinikum-Leverkusen verbracht habe.  Ich sehe den Kitt auf meinem Tisch und die Fotos auf meinem Computer, und leider überwiegt die Erinnerung an den Unfall meine anderen Eindrücke.  Noch heute erlebe ich die Explosion wieder.  Der Vorfall ist in meinem Kopf noch kristallklar.  Ich kann mich an den sofortigen Tinnitus und den Blick auf meinem Blut genau erinnern.  Meine linke Hand wird vielleicht nie normal sein, aber am Ende war ich ganz glücklich, weil meine Verletzungen schlimmer hätten sein können.

Hier um 14.00 Uhr ist mein Kopf voll von Erinnerungen an die Vergangenheit und dem Stress von meinen jetztigen Aufgaben.  Seit Wochen bin ich vor 3:00 Uhr morgens nicht eingeschlafen.  Ich kann nur hoffen, dass die Arbeitsbelastung leichter wird.  Wenn ich nur ein bisschen Freizeit hätte, würde ich nicht immer im Stress sein, sondern im Allgemeinen froher und entspannter.

Daniel Schmidt

 

 

   
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