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17:00, Kunstmuseum Der 26. März 2002 stellte sich als ein sehr ungewöhnlicher,
oder besser gesagt, etwas unangenehmer Tag für mich raus.
Ich hatte schon seit Wochen mit einer Freundin geplant, das Kunstmuseum
hier an der Universität zu besuchen, da eine vielversprechende
Vorstellung namens "Women Who Ruled" über heroische
Fraün in dem Zeitraum von 1500-1650 gezeigt wu Die Ausstellung "Women Who Ruled" ist nur zeitweilig
in dem Kunstmuseum hier zu sehen, also war das Museum fast voll,
als ich es besuchte. Ich muss zugeben, dass ich ein eher unwohles
Gefühl hatte, als ich meinen Fotoapparat in meiner Jacke
vor dem Türsteher versteckte, denn ich hatte eine Vorahnung,
dass dies der falsche Ort war, um Bilder zu schiessen. Was ich
nicht ahnte, ist, dass mein Besuch hier sehr kurzfristig sein
würde. Die Treppe hinaufsteigend, auf meinem Weg zu der Vorstellung
bemerkte ich, dass es schon zehn Minuten vor fünf war, also
wusste ich, dass mein Bild bald gemacht werden sollte. In diesen
zehn Minuten war ich einfach überwältigt von der Schönheit
der zwei Bilder, die ich in dieser kurzen Zeit betrachten konnte.
Beide Bilder waren Portraits von Fraün und es war faszinierend,
wie realistisch sie aussahen und wie jeder Einzelteil von diesen
Fraün mit grossem Detail gemalt wurde. Um genau fünf
Uhr stand ich vor einem neün Bild, und schnell nahm ich
meine Fotokamera raus um es zu fotografieren. Um sicher zu sein,
dass dies mir gelingt, schoss ich es gleich zweimal. Zu dieser
Zeit hatte ich das Bild noch nicht begutachtet, also sollte es
auch eine überraschung für mich sein. Als ich mich
dem Kunstwerk näherte, konnte ich einen Mann sehen, der
in meine Richtung zeigte und mir entgegenkam. Natürlich
hatte ich eine Vorahnung warum, und ich war mir schon sicher,
dass ich mein Foto verlieren werde. Der Mann guckte mich ein bisschen wütend an und wollte
wissen, was ich mir dachte, ein Bild von einer Spezialvorstellung
zu machen. Ich war fast sprachlos, und allmählich fing ich
an, mich sogar schuldig zu fühlen als ich ein wenig vortäuschte,
nicht gewusst zu haben, dass man keine Fotos in dem Museum schiessen
dürfte. Für einen Moment stand der Mann reglos vor
mir, als ich ihm anbot, den Film aus meiner Fotokamera zu nehmen.
Zu meinem Glück beschloss er aber, dass er das ausnahmsweise
heute nicht tun würde, aber nächstes Mal...nein, ich
glaube nicht, dass es ein "nächstes Mal" geben
wird (wenigstens nicht in diesem Kunstmuseum und auch nicht in
der nahen Zukunft). Als der Mann sich von mir abwendete, konnte
ich endlich das Bild betrachten, das mir schon so viel ärger
gebracht hatte und ich muss zugeben, dass es einfach bezaubernd
aussah. Das prächtige, aus Seide gemachte Kleid der Frau,
ist so nauturgetreu gemalt, man kann es fast schon anfassen;
und das schwarze, transparente Tuch, ebenfalls aus Seide, das
ihren Kopf und ihre Schultern bedeckt, verleiht der Frau etwas
Trauriges aber auch Edeles. An ihrem Gesichtsausdruck ist ihr
Leid leicht zu erkennen, und die teilweise neugierigen und teilweise
bekümmerten Diener lassen den Betrachter ahnen, dass etwas
Unerwartetes passiert. Das gerade von mir beschriebene Kunstwerk soll "Artemisia"
darstellen und wurde von Gerrit van Honthorst in den Jahren 1632-1635
gemalt. Es soll einen Moment von der von Valerius Maximus geschriebenen
Geschichte "Artemisia" wiedergeben, in der die Frau
namens Artemisia, die Zentralfigur ist. Diese Geschicht erzählt,
dass Artemisia nach dem Tod ihres Mannes ungeheürlich leidet,
da sie ihm so ergeben ist. In einer nie zuvor gesehenen Tat,
beschliesst sie, die Asche ihres Mannes in eine Flüssigkeit
zu mischen, und diese Flüssigkeit dann zu sich zu nehmen.
Dieser Moment, in dem Artemisia wehmütig ein Glas hochhält,
um die Flüssigkeit zu empfangen, wird in Honthorst's Kunstwerk
abgebildet, und das mit hervorragender Fähigkeit. Mit der Asche ihres Mannes in ihrem Körper wollte Artemisia
aus sich selbst ein "lebendes und atmendes Grabmal"
machen. In ihrer Zeit wurde sie als ein Sinnbild der Hingabe
einer Witwe zu ihrem Mann gesehen, und deshalb als ein Vorbild
von vielen Fraün und Witwen gehalten. Die Reinheit, die
Artemisia symbolisieren soll, ist dem Künstler sehr gelungen,
und es ist fast unmöglich das Bild zu betrachten ohne davon
gerührt zu sein. Leider habe ich erst später gesehen,
dass mein Foto nicht sehr deutlich ist, aber ich hatte nicht
den Mut, mich wieder in das Kunstmuseum mit meinem Fotoapparat
zu traün. Nach meiner kleinen Lehre über das Fotografieren in dem
Kunstmuseum, wollte ich eigentlich so schnell wie möglich
aus dem Museum flüchten, obwohl ich leider nicht einmal
die Hälfte der Ausstellung zu sehen gekriegt hatte; da ich
mir aber nicht sicher war, ob der Mann sich die Sache mit dem
Fotoapparat überlegen würde, wollte ich das auf keinen
Fall riskieren und deshalb verliess ich das Museum innerhalb
von einer halben Stunde. Natürlich war es unerlässlich,
dass der Türsteher (eine Frau) sich über mich lustig
machen musste, als sie bemerkte, wie schnell ich doch durch die
ganze Vorstellung geflogen bin. Wenigstens wusste sie nicht,
über meine Fotokamera bescheid, und in diesem Moment war
das fast schon befriedigend für mich, besonders nach ihrer
versuchten Demütigung. Wenn ich mir das Foto jetzt betrachte, bin ich sehr froh es
geschossen zu haben. Die Geschichte von "Artemisia"
war mir vorher unbekannt und vielleicht hätte ich nie von
ihr erfahren, hätte ich das Bild nicht fotografiert. Genauso
wie die Geschichte selbst ist das Kunstwerk von "Artemisia"
höchst bemerkenswert und hat mich persönlich sehr gerührt.
Schliesslich wird es mich auch immer an den etwas unerwarteten
Zwischenfall in dem Kunstmuseum erinnern, obwohl ich nicht denke,
dass ich das Museum sehr bald wieder besuchen werde. Wer hätte
gedacht, dass ein Museum so anstrengend sein kann? P.S. Meine
Freundin will nicht so bald wieder ein Museum mit mir besuchen,
sagt sie jedenfalls. |
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