Dienstag, 26. März 2002

13:00, Krankenhaus

 

Der Anruf kommt um kurz nach 12 Uhr: eine Frau mit Schmerzen in der linken Hälfte ihrer Brust. Der Krankenwagen fährt mit Eile die holprige Strasse entlang. Einen Moment später steigen drei Sanitäter aus und gehen schnell auf die Haustür zu. Nach Klopfen und Klingeln fangen sie an, sich Sorgen zu machen, denn niemand macht auf. Sie gehen um das Haus herum und schauen in die Fenster; drinnen ist es dunkel. Der eine Sanitäter ruft, er kann eine Frau drinnen sehen. Er fängt an, die Haustür einzutreten, in kurzer Zeit schafft er es durch die Glasscheibe.


Im Haus laufen die drei auf die alte Frau zu. Sie atmet nicht und hat keinen Puls. Sie ziehen die Frau auf den Boden von ihrem Stuhl, schneiden ihre Klamotten auf, und fangen an, an ihr zu arbeiten. Fünfmal auf die Brust drücken, zweimal beatmen. Der eine Sanitäter steckt die erste Nadel in ihren Arm, im gleichen Moment kommen drei Feuerwehrmänner in das kleine Haus. Der dritte Sanitäter führt einen kleinen Plastikschlauch in den Kehlkopf der Frau, daneben, noch zweimal und dann gelingt es. Im Hintergrund ruft ein Feuerwehrmann die Medikamente der Frau aus.


Inzwischen schwirren acht Leute um die halbtote Frau herum. Alle wissen genau, was ihre Aufgabe ist: Zwei durchsuchen das Haus für Informationen über die Frau, vier, versuchen sie zurück ins Leben zu bringen, und die letzten zwei bereiten die Krankentrage vor. Nach fünfzehn Minuten ist es soweit. Sie schieben ein Brett unter den leblosen Körper, und bringen sie in den Krankenwagen. Aus ihrem Mund läuft ein Tropfen Spucke. Mit jeder Beatmung wird ihr Magen etwas größer. Die Zeit wird immer knapper. Der erste Sanitäter gibt ihr eine Spritze, der Bildschirm flackert auf mit Neuigkeiten. Er hebt das Handteil des Radios und benachrichtigt die wartenden Krankenschwestern davon was auf sie zukommt.

Simon Mikolayczyk

 PREV

 MAIN PAGE

 NEXT